Artistenstammtisch: Charles Elkins erzählt Circusgeschichte
Geschichte

Artistenstammtisch: Charles Elkins erzählt Circusgeschichte

24. April 2026
8 min

Der Duft von Geschichte und die lebendige Erinnerung an die glanzvolle Welt der Manege erfüllten kürzlich unser Museum. In einer neuen Ausgabe unseres beliebten Formats, dem Artistenstammtisch mit Charles Elkins, erlebten die Gäste eine Zeitreise der besonderen Art. Charmant und fachkundig moderiert von Martin Radinger, gab Charles Elkins – ein Urgestein der österreichischen Unterhaltungskunst – exklusive Einblicke in eine Familiendynastie, die Wien und die internationale Circuswelt über Generationen prägte.

Von Hernals in die Welt: Die Wurzeln der Familie Gschwandner

Die Geschichte beginnt nicht im Circuszelt, sondern im Wiener Biedermeier. Charles Elkins erzählte sichtlich bewegt von seinem Vorfahren Johann Gschwandner, der 1840 das legendäre Etablissement in der Hernalser Hauptstraße gründete. Was als Heuriger begann, entwickelte sich zu einer Institution mit prunkvollen Salons für 500 Gäste. Doch das Blut der Familie drängte hinaus in die Welt. Sein Großvater und sein Vater begründeten schließlich die Ära des Circus Gschwandner, wobei der Künstlername „Elkins“ während eines Engagements in Holland angenommen wurde.

Ein Leben in der Manege: Der „Froschkönig“ und die harte Schule

Charles selbst stand bereits mit vier Jahren in der Manege – wortwörtlich auf der Hand seines Vaters. Legendär wurde seine Darbietung als „Froschkönig“, eine akrobatische Glanzleistung als Schlangenmensch (Klischnigg), die er über zwölf Jahre lang perfektionierte. „Man muss ganz gerade und steif bleiben“, erinnerte er sich an die ersten Lektionen seines Vaters, der als strenger Lehrmeister galt. Diese eiserne Disziplin sollte später auch einem anderen Weltstar den Weg ebnen.

Als Freddy Quinn beim Zirkus das „Flunkern“ und Traktorfahren lernte

Ein besonderes Highlight des Abends war der Moment, als das Gespräch auf einen der berühmtesten Weggefährten der Familie kam: Freddy Quinn. Bevor er als singender Seemann die Charts stürmte, fand der junge Freddy – damals etwa 17 Jahre alt – Zuflucht beim Circus Gschwandner.

„Meinem alten Zirkusdirektor verdanke ich meine Karriere“, zitierte Elkins den Weltstar aus dessen Autobiografie. Freddy Quinn wollte unbedingt zum Zirkus, doch es gab ein Problem: Er spielte zwar Gitarre, aber der Zirkus suchte einen Saxophonisten. Kurzerhand besorgte er sich ein altes Instrument, übte ein paar Tage im Keller und flunkerte beim Vorspielen vor Charles’ Vater: Er könne gerade nicht spielen, da seine Lippen vom vielen Üben völlig kaputt seien. Er wurde engagiert – weniger wegen des Saxophons, sondern weil er anpacken konnte.

Charles erinnerte sich amüsiert daran, dass Freddys Lieblingsbeschäftigung das Fahren des uralten Hanomag-Traktors war. Doch die Zeit beim Circus Gschwandner war kein Zuckerschlecken: „Der Freddy hat von meinem Papa diese Art von Disziplin gelernt, die fast an Kadavergehorsam grenzt“, erklärte Elkins. Diese Härte und die unbedingte Verlässlichkeit in der Manege, wo ein Fehler lebensgefährlich sein konnte, prägten Quinn für sein ganzes Leben.

Vom Zirkuswagen an das Burgtheater

Der Weg von Charles Elkins selbst führte schließlich weg vom Sägemehl, aber niemals weg von der Bühne. Er wurde zu einem der ersten freien Mitarbeiter des ORF im Jahr 1956 und feierte Erfolge als Schauspieler. Besonders stolz berichtete er von seinem Engagement am Burgtheater, wo er unter Regie-Größen wie Heinrich Schnitzler spielte. „Jeder Mensch ist ein Schauspieler, man darf sich nur nichts einreden lassen“, so sein inspirierendes Resümee über den Wechsel zwischen den Welten.

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Dieser Abend war wieder einmal ein Beweis dafür, wie lebendig die Geschichte der Artistik in unseren Mauern bleibt. Wir laden Sie herzlich ein, beim nächsten Mal dabei zu sein!

Besuchen Sie uns regelmäßig: Unser Artistenstammtisch findet in festen Intervallen bei uns im Museum statt. Das Beste daran: Der Eintritt ist frei! Tauchen Sie ein in die Welt der Anekdoten, Fakten und unvergessenen Zirkusmomente.

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Wir freuen uns auf Sie – in der Manege der Erinnerungen!

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