
Die Alexis-Familie – eine schrecklich lustige Clowndynastie
Wenn Tony Alexis mit seinem „Ahoi!“ die Manege betritt, spürt man sofort: Hier kommt jemand, der nicht Clown ist, um zu leben, sondern lebt, um Clown zu sein. Der in Spanien geborene Künstler steht seit seinem fünften Lebensjahr in der Manege, zuerst gemeinsam mit seinem Vater in Barcelona, später in großen europäischen Circussen. Über Jahrzehnte war er einer der prägenden „Dummen Auguste“ im Circus Krone, beim Festival von Monte-Carlo und in vielen weiteren Programmen – immer mit roter Nase, kindlichem Humor und einem Fass voller Überraschungen.

Tony Alexis stammt aus einer Clownfamilie, in der das Stolpern zur Kunst erhoben wurde: Vater, Großvater und Bruder waren ebenfalls Clowns, sodass Tony die vierte Generation dieser Tradition weiterführt. Später entstand daraus das berühmte Tony-Alexis-Trio: Tony als dummer August, dazu seine Frau Jeanette und ein Weißclown-Partner – zunächst Max, später der Franzose Adrien –, die gemeinsam „zuständig für die lauten Lacher im Programm“ waren. Mit Musikalität, Pantomime, Jonglage und einem sehr körperlichen, warmherzigen Humor wurde das Trio zu einer lebenden Legende im Reich der guten Laune, ausgezeichnet unter anderem vom spanischen Königshaus.
Jeanette Alexis bringt eine eigene Circusgeschichte mit: Sie stammt aus einer deutschen Zirkusfamilie mit Wurzeln bei Holzmüller, Bügler und Stey, ihr Vater war Tierlehrer, die Mutter Hochseilartistin. Kennengelernt haben sich Toni und Jeanette 1977 in Barcelona, nach ihrem Auftritt als Ballerina auf einem Elefanten; 1981 wurde geheiratet, 1983 stand Jeanette erstmals mit ihrem Mann als Clown in der Manege – spontan eingesprungen, aber so überzeugend, dass aus ihr dauerhaft „Frau Clown“ wurde. Seither sorgt das Ehepaar als „doppelter Dummer August“ weltweit für gute Laune und gehört etwa im Circus Krone zu den absoluten Publikumslieblingen.
Die Clowntradition der Familie setzt sich in der fünften Generation fort: Die Söhne Totti und Tonito sind ebenfalls Clowns geworden und treten häufig als Weißclowns an der Seite ihrer Eltern auf. Totti Alexis, 1982 während eines Engagements seiner Eltern beim Cirque Pinder-Jean Richard geboren, steht seit seiner Kindheit in der Manege und gilt als vielseitiger Weißclown mit starkem Musik- und Instrumentenrepertoire. Tonito, 1992 in Düren geboren, beschreibt sich als „Kind einer Clownfamilie über fünf Generationen“ und führt die Tradition mit Engagements in deutschen, spanischen und internationalen Circussen fort.


Für das Circus- & Clownmuseum Wien ist der Besuch von Tony und Jeanette Alexis darum viel mehr als ein nettes Treffen: Wenn sie vor ihrer eigenen Vitrine mit Pinder-Titelblatt, Kostümen und Requisiten stehen, wird deutlich, wie lebendig Circusgeschichte ist, solange ihre Protagonistinnen und Protagonisten noch selbst erzählen und lachen können. Dass Tony Alexis beim 48. Internationalen Circusfestival von Monte-Carlo für sein rund 65-jähriges Bühnenjubiläum geehrt wurde, macht diese Geschichte umso aktueller – und sein Lächeln im Museum schlägt eine direkte Brücke zwischen unseren Sammlungsstücken und der Gegenwart der Clownkunst.
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